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Das Nachtsang-Geläut in Gütersloh

das mit Abstand älteste Kulturgut von Gütersloh und womöglich eines der ältesten Kulturgüter in Deutschland bzw. Europa

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Das Nachtsang-Geläut zu Gütersloh

Bis zum Jahre 1790 zurück ist der `Nachtsang´ in Chroniken der Evangelischen Kirchengemeinde und der Stadt Gütersloh nachweisbar, aber es muß angenommen werden, dass dieses Geläut schon viel früher in Gütersloh beheimatet war, so wie es auch in weiten Teilen des Osnabrücker und des Ravensberger Landes damals geläutet wurde.
Heute ist deutschlandweit nachweislich nur noch Gütersloh im Besitz des Nachtsang-Geläuts.
Um das Entstehen des Nachtsangs als Geläut in den Kirchen ranken sich zwei Legenden:

  • Um das Jahr 1100 verirrte sich Wiho II., damaliger Bischof von Osnabrück, bei der Jagd. Bis zum Abend umherirrend fand er nicht den Weg zurück und sank infolge Erschöpfung und Kälte zu Boden. Der Klang einer Glocke ließ den ermatteten Bischof sich noch einmal aufraffen und dem Ton nachgehen. Er kam schließlich an ein Kloster und wurde hier aufgenommen. Zum Dank für die Rettung gab Wiho II. die Order aus, dass im ganzen Osnabrücker Lande - zu dem damals auch Gütersloh kirchlich zählte - am Abend vor jedem Sonntag und Feiertag geläutet werden solle, und zwar vom Abend vor Allerheiligen bis Lichtmess.
  • Eine zweite Legende spricht ebenfalls von einem Bischof (wahrscheinlich auch hier der Osnabrücker Bischof Wiho II.), der sich im Dunkel der Nacht verirrte. Einem aus der Ferne klingenden Glockenspiel folgte nach und wurde auf diese Weise gerettet. Bei dem Geläut soll es sich um das von einem Küster oder Glöckner aus den Niederlanden eingeführte Geläut gehandelt haben, das dort als Küstengeläut zur Rettung Schiffbrüchiger, zur Orientierung heimkehrender Fischer oder als Dankgeläut zur Errettung aus Seenot bekannt war. Aus Dankbarkeit für seine Rettung hat der Bischof das Geläut seinen Gemeinden `zur ewigen Benutzung´, und zwar speziell `für das dunkle Vierteljahr´, angeordnet.

Beide Legenden werden sicherlich etwas Wahres in sich tragen, zumal sie beiden den gleichen Kern haben. Das Bistum Osnabrück reichte schon damals bis an die Nordseeküste, es mag also gut sein, dass der Bischof sich irgendwo in Küstennähe verlief und dann das Geläut hörte.
Es muß daher vermutet werden, dass die Ursprünge des Nachtsangs einige Jahrhunderte älter sind, als die uns heute bekannten Quellen es belegen. Denn wenn ein Geläut zu Zeiten Wihos II. schon geläutet wurde und er dieses quasi nur noch weiterverbreitete in seinen Gemeinden und Kirchen, dann stammt es - in einfacherer Form - wohl schon aus dem 1. Jahrtausend nach Christus.

Die Existenz eines uralten Küstengeläuts als Ursprung des heutigen Nachtsang-Geläuts wird zusätzlich belegt durch die Tatsache, dass es bis in das 20. Jahrhundert hinein ein angeblich ähnliches Geläut an der spanischen Küste gegeben haben soll. Und auch dieses gründete laut Quellen auf der uralten Tradition, Fischer zu leiten und Schiffbruch zu vermeiden.
Vielleicht findet sich tatsächlich irgendwann einmal doch noch eine Quelle, die dieses anscheinend an der gesamten Atlantikküste und Nordseeküste vom heutigen Spanien bis zum heutigen Deutschland beheimatete `Schiffsgeläut´ belegt.

Im Laufe der Jahre hat sich das zunächst einfache Schiffsgeläut dann in den Gemeinden des Bistums Osnabrück zu einer regelrechten Glocken-Symphonie weiterentwickelt. Vielleicht hat es einen regelrechten Wettstreit der Glöckner gegeben, zumeist der Küster und Pfarrer selbst.

In Gütersloh wird das Nachtsang-Geläut auch heute noch in der dunklen Jahreszeit zwischen dem Reformationstag am 31. Oktober und Mariä Lichtmeß am 02. Februar regelmäßig geläutet, zunächst in der Apostelkirche am Alten Kirchplatz und seit Fertigstellung im Jahr 1861 bis heute wenige Meter Hundert Meter weiter in der Martin-Luther-Kirche (damals noch "Neue Kirche") am Berliner Platz.

Für den Zeitraum 1830 bis 1842 wird erstmals ein Glöckner-Name in gefundenen Akten genannt: `Läuter´ Zumbulte und sein Kirchendiener Fismer.
Die Glöckner zwischen 1842 und dem 2. Weltkrieg waren dann zumeist die Küster der Kirche wie Küster Bermpohl, dem die Rettung der kleinen `Benedictina`-Glocke vor dem Einschmelzen zu verdanken ist. Küster Bermpohl läutete mit Gottfried Langel und Pastor Köker über 40 Jahre das Nachtsang-Geläut. 1965 begann Klaus Nordmann mit dem Erlernen des Geläuts, 1977 Dr. Barbara Rohden.
-> Liste der Glöckner ab 1830

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde das Geläut des Nachtsangs in Gütersloher Medien und vom Volksmund oft als `Weihnachtsgeläut´ bezeichnet, da der eigentliche Grund für den Nachtsang in Vergessenheit geraten war und die Menschen das Geläut nur noch in Verbindung mit der Adventszeit und Weihnachtszeit sahen. Erst mit Beginn der Rückbesinnung auf die uralte Tradition des Geläuts und dem Beginn der historischen Recherchen des Geläuts in den 1950er Jahren bis weit zurück ins Mittelalter und mit der Erkenntnis, dass es sich nicht nur um ein lokales Geläut, sondern sehr wahrscheinlich um ein Hunderte von Jahren altes internationales Kulturgut handelt, wurde das Geläut wieder allgemein als `Nachtsang-Geläut´ wahrgenommen, aber leider nie entsprechend seinem Alter, seinem Wert und seiner Bedeutung angemessen gewürdigt und entsprechend gefördert. In Gütersloh fristet das Nachtsang-Geläut ein Nischen-Dasein, was sich symptomatisch in immer wiederkehrenden Beschwerden von Anwohnern äußert, die diesen "Krach" verboten sehen möchten.

Immer wieder treffen Nachrichten ein bzw. melden sich Menschen, die ein gleiches Geläut irgendwo anders gehört haben wollen. Nie konnte dies bis heute z.B. anhand von Quellen belegt werden.
1969 berichtete eine Gütersloherin nach einer Reise in die spanischen Pyrenäen von einem Geläut in dem Pyrenäen-Ort Tahull. Dort soll in den beiden örtlichen Kirchen St. Maria und Sanct Clemente ein Glockengeläut existieren, dass dem Gütersloher Nachtsang-Geläut sehr ähneln soll. Das Dorf war damals nur zufuß oder mit Esel zu erreichen und es liegt nicht an der Spanischen Atlantikküste. Recherchen in diese Richtung liefen aber leider ins Leere.
Eine scheinbar sehr verheißungsvoller und hochinteressanter Hinweis führte in den 1980er Jahren nach Peru in Südamerika, aber auch diese `Spur´ wurde bis heute nicht belegt ...

Wir in Gütersloh freuen uns über jede Art von Nachricht oder Beleg, dass ein vergleichbares Geläut noch irgendwo anders auf der Welt geläutet wird!
Bitte nehmen Sie dann Kontakt mit uns auf!

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